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* Tanja Seufert

ist Co-Redaktionsleiterin des Haus Magazin und schreibt über Themen rund um Wohnkomfort und Einrichten.

Immer wieder legten Feuersbrünste Häuser und ganze Dörfer in Schutt und Asche.

Am Anfang war das Feuer

Schon vor rund 700'000 Jahren nutzten unsere Vorfahren das Feuer, um sich zu wärmen, Speisen zuzubereiten und Raubtiere fernzuhalten. Es stammte aus natürlichen Feuerherden, zum Beispiel nach Blitzeinschlägen, und wurde sorgfältig gehütet.

Text — Tanja Seufert*

In ein offenes, prasselndes Feuer zu blicken, ist heute oft reines Vergnügen – für angenehme Wärme sorgt ein Heizsystem wie die Bodenheizung. Doch bis ins 16. Jahrhundert war die «Heizung» hierzulande ein schlichtes Feuer in einer Mulde. Es wärmte lediglich den Raum, in dem es sich befand – die Küche. Deshalb wohnte man, zumindest als einfache Familie auf dem Land, in einem einzigen Raum. Im Winter liess man oft auch das Vieh drinnen schlafen, es hielt die Familie warm.

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Der Ofen verbesserte das Leben

Es waren vor allem die «kleine Eiszeit» mit bitterkalten Temperaturen sowie die knappen Holzressourcen, die im 16. Jahrhundert zu einem Entwicklungsschub führten: Nun setzte sich der Ofen auch in den ärmeren Bevölkerungsschichten durch und löste das offene Feuer allmählich ab. Lehm-, Stein- und Kachelöfen konnten Wärme speichern und verrussten den Raum nicht mehr. Und: Die Gefahr von Bränden sank markant. Denn auch wenn die Feuerstellen mit Steinplatten eingefasst waren, so gab es immer wieder Feuersbrünste, die Häuser und ganze Dörfer in Schutt und Asche legten.

Warme Luft unter den Füssen

Die ersten, die ein zentrales Heizsystem nutzten, waren die Römer. Vor über 2000 Jahren schon entwickelten sie die «Hypokausten-Luftheizung». Dabei wurde die Aussenluft in einer zentralen Heizkammer mit Holz auf etwa 250 Grad Celsius erhitzt. Die warme Luft verteilte sich dann in Zwischenräumen unter den Fussböden und strömte über Rohre und Schächte wieder nach draussen. Diese erste Bodenheizung der Geschichte verbrauchte Unmengen an Brennholz und kam nur in Bädern sowie in den Palazzi und Villen der römischen Oberschicht zum Einsatz.

Neues Zeitalter mit Kohle und Erdöl

Die erste Zentralheizung der Neuzeit funktionierte mit Warmwasser und wurde mit Kohle betrieben. Flächendeckend verbreitete sich dieses Heizsystem erst ab Ende des 19. Jahrhunderts. In der Mitte des 20. Jahrhunderts setzte sich Erdöl als Brennstoff durch. Eine Alternative zur Ölheizung war die Elektroheizung; sie ist heute bei Neubauten und Sanierungen wegen ihres enormen Stromverbrauchs nicht mehr erlaubt.

Fossile Brennstoffe verlieren an Bedeutung

Im Zuge von Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und Klimawandel erleben wir heute den Aufschwung der erneuerbaren Energien. So wird das Wasser in modernen Heizsystemen immer häufiger mit Erdwärme (Wärmepumpe), Holzpellets oder Solarenergie (Photovoltaikanlage) erwärmt. Die Geschichte zeigt: Der Mensch ist erfinderisch. Und bleibt es wohl auch in Zukunft.  

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Eines ist klar: Ein neues Einfamilienhaus verwendet heute erneuerbare Energie. Auch eine Heizungssanierung muss oft von Gesetzes wegen regenerative Energie einbeziehen. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe macht da Sinn. Ihr Anschaffungspreis hält sich in Grenzen, ihr Platzanspruch auch, denn sie braucht nicht einmal einen Heizraum.
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Info
Ölheizung ersetzen

Muss die Ölheizung ersetzt werden, kann das eine Gelegenheit für einen Systemwechsel sein. Grundvoraussetzung für viele moderne, umweltfreundliche Heizsysteme sind allerdings tiefe Vorlauftemperaturen. Wärmepumpen arbeiten zum Beispiel nur bis zu einer Vorlauftemperatur von etwa 35 Grad effizient. In neuen Gebäuden und in gut gedämmten Altbauten lässt sich also fast jedes Heizsystem einsetzen, während die Auswahl bei schlecht gedämmten Gebäuden eingeschränkt ist.